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 | Interview mit dem Autor |
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"LIEBE MACHT DOOF!"
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Ein Interview mit Michael Eichhammer, Autor von Erste Hilfe für Frischverliebte.
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Wie kommt man auf die Idee, ein Buch für Frischverliebte zu schreiben? Immer wieder hörte ich Erzählungen von Freunden und Bekannten darüber, wie einem vielversprechenden Kennenlernen entweder böse Überraschungen und Ernüchterung folgten oder aber ein Happy End. Mir fiel auf, dass es immer wieder die gleichen Faktoren sind, die über Erfolg oder Misserfolg einer Paarung entscheiden. Diesen geheimen Code wollte ich knacken.
Gibt es nicht schon mehr als genug Liebes-Ratgeber im Buchhandel? Der Buchmarkt ist voller Titel, die sich den Krisenzeiten oder dem Ende einer Liebe widmen, während die Anfangsphase einer emotionalen Bindung offensichtlich Terra incognita für Autoren ist. Diese Lücke zu füllen, reizte mich ungemein.
Bedarf es wirklich einer Warnung vor etwas, was doch eigentlich zu den schönsten Momenten des Lebens gehört – dem Frischverliebt sein? Wollen Sie den Leuten den Spaß verderben? Im Gegenteil! Das Buch soll den Leuten Mut machen und helfen, ihre Liebe genießen zu können. Aber die Liebe kommt ja erst nach der Phase der Verliebtheit. Der Weg dorthin ist kein leichter. Er ist voller Stolpersteine und wer die richtigen Weggabelungen verpasst, kommt nie am Ziel an. Das sieht man aber nicht voraus, wenn man eine rosarote Brille aufhat.
Tragen denn tatsächlich alle Frischverliebten die sprichwörtliche rosarote Brille? Nein. Manche tragen auch einen Sack über dem Kopf, der sie völlig blind macht.
Aber es gibt keine Garantien, am Ziel anzukommen, selbst wenn man Ihr Buch als Reiseführer durch den Irrgarten der Liebe dabei hat… Richtig. Wer die Reise gut vorbereitet, die Gefahren entlang der Route kennt und Proviant einpackt, erhöht die Chance, am Ziel anzukommen. Aber dieses Restrisiko ist ja auch einer der Gründe, warum eine erwachende Liebe so spannend ist, oder?
Ein Kapitel heißt „Liebe macht doof“ – was haben Sie sich denn dabei gedacht? Das ist natürlich bewusst provozierend formuliert, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Liebe und rationales Denken sich in der heißen Phase des Kennenlernens nahezu ausschließen.
Sie glauben allen Ernstes, dass ihr Ausnahmezustand Frischverliebte unzurechnungsfähig macht? Die These mag überspitzt formuliert erscheinen, doch die Forschung belegt eindeutig, dass die biochemischen Vorgänge, welche die Verliebtheit initiiert, unsere Psyche in den Zustand von Zwangsneurotikern versetzen. Mit dem Liebesschwur „Ich bin verrückt nach dir“ spricht man ein wahres Wort gelassen aus…
Angesichts so vieler Warnungen liegt die Vermutung nahe, dass Sie selbst ein gebranntes Kind der Liebe sind? Im Gegenteil. Ich lebe seit Jahren in einer glücklichen Beziehung. Aber dass ich die Richtige gefunden habe, ist kein Zufall. Auch in der Liebe gilt: Übung macht den Meister. Nachdem ich einige Male schmerzhaft gegen Hindernisse stieß, lernte ich endlich, wie man die rosarote Brille putzt. Genau das will dieses Buch sein: ein Putztuch für die rosarote Brille.
Und wo findet man den richtigen Partner? Das kann ich nicht verallgemeinern, weil es nicht auf den Ort ankommt. Aber ich kann sagen, wo die Suche nach ihm beginnen sollte: in einem selbst. Denn bevor man nicht mit sich selbst glücklich ist, wird sich jeder potentielle Mr Right als Mr Rightnow entpuppen und jede vermeintliche Traumfrau in einen Albtraum verwandeln. Zwar gibt es natürlich Partner, die besser oder schlechter zu uns passen als andere, aber mindestens genau so wichtig für das Funktionieren oder Scheitern einer Beziehung ist die eigene Reife.
Wie haben Sie für dieses Thema recherchiert? Das erste, auf was man zurückgreift, sind natürlich die eigenen Erfahrungen mit der Liebe. Auch mein Studium der Sozialpsychologie hat mir geholfen, denn so sehr wir uns als Individuen auch unterscheiden – viele geheime Mechanismen der Liebe gelten für Menschen im Allgemeinen. Die „Feldforschung“, also Gespräche, die ich mit Frischverliebten und Gescheiterten führte, war ebenfalls eine essentielle Quelle der Inspiration. Ebenso wichtig waren mir Interviews mit Soziologen, Psychologen, Dating Coaches, Flirttrainern und anderen Experten. Ich legte großen Wert darauf, dass das Buch auf fundierten Fakten basiert und nicht auf meinen privaten Einstellungen oder einem diffusen „Bauchgefühl“. Brauchen frischverliebte Erwachsene wirklich ein Buch, das ihnen die Liebe erklärt? Wenn Sie sich die Single-Statistiken deutscher Großstädte ansehen, kennen Sie die Antwort.
Frisch verliebt zu sein verbindet man klassischerweise mit jüngeren Menschen. Haben sie auch für Ältere Ratschläge zur Hand? Das Buch wendet sich keineswegs an eine bestimmte Altersgruppe. Die erste Liebe ist zwar prägend für das ganze Leben, doch Alter schützt vor Torheit nicht. Heutzutage sind Trennungen nach langen Ehejahren weitaus häufiger geworden, weshalb auch ältere Menschen sich immer wieder frisch verlieben.
Gibt es für jede Altersstufe spezifische typische Fehler? Jüngere neigen dazu, sich mit einer gewissen Blauäugigkeit in eine Beziehung zu stürzen. Das bringt aber auch etwas Positives mit sich, von dem sich Ältere eine Scheibe abschneiden können: den Mut, sich unvoreingenommen und optimistisch auf das Abenteuer Liebe einzulassen. Auf der anderen Seite können Jüngere von dem Erfahrungsschatz der Reiferen profitieren, die im Idealfall aus ihren Fehlern gelernt haben. Letztlich gilt es – unabhängig vom Alter der Betroffenen – eine goldene Mitte zu finden, zwischen der Offenheit für große Emotionen und der gesunden Skepsis hinsichtlich des eigenen Urteilungsvermögens im Rausch der Gefühle.
Was sind ein paar typische Stolperfallen auf dem Weg zum Glück? Damit könnte man ganze Bücher füllen! Was ich ja auch getan habe. Aber im Ernst: Das geht schon los beim ersten Eindruck, bei dem wir Dinge auf den anderen projizieren, die mehr über unser Innenleben aussagen als über die Wirklichkeit. Das romantische Ideal der großen, ewigen Liebe sorgt ebenfalls für falsche Erwartungen und Enttäuschungen. So mancher ist, ohne es zu wissen, nicht verliebt in eine Person, sondern in die Liebe selbst – weil sich der Rausch so schön anfühlt oder weil die Bestätigung der eigenen Anziehungskraft Futter für das narzisstische Ego ist.
Gibt es Menschen, die nicht beziehungsfähig sind? Nein. Aber es gibt Menschen, denen das Lieben leichter fällt als anderen. Hinter so mancher vergeblichen Liebesmüh steckt in Wahrheit eine Bindungsangst. Wenn ich mir einen Unerreichbaren als Traumpartner aussuche, laufe ich nicht Gefahr, von konkret gelebter Liebe mit einer realen Person verletzt zu werden.
Was raten Sie Menschen, die immer wieder an den Falschen geraten? Wer sich fragt, warum er immer wieder die Falschen anzieht, ist sich oft nicht bewusst, das Automatismen in seinem Denken der Grund dafür sind. Der größte Feind unseres Glücks sind wir oft selbst: Wenn in unserem Dachspeicher die Gespenster der Vergangenheit spuken, wird es uns im Traumhaus des neuen Glücks nicht geheuer sein... Den Ballast der Altlasten abwerfen ist der erste Schritt in eine gemeinsame Zukunft.
Ist das Buch nur für Betroffene interessant? Nein, denn unter dem Liebeskummer leidet ja auch das Umfeld. Weil es ein offenes Ohr haben und Trost spenden soll. Unter dem Liebesglück leidet das Umfeld vielleicht sogar noch mehr: Weil man sich geduldig die bis ins letzte Detail protokollierten Abläufe der ersten Dates anhören muss. Oder feststellen muss, dass gutgemeinte Ratschläge und konstruktive Kritik missdeutet werden als Ausdruck von Neid oder Pessimismus. In diesem Fall ist Erste Hilfe für Frischverliebte auch ein ideales Geschenkbuch – so gibt man den schwarzen Peter der Besserwisserei einfach an das Buch ab…
Was bestimmt unsere Partnerwahl? Das ist ein kompliziertes Zusammenspiel aus unterschiedlichsten Faktoren, die uns teilweise völlig unbewusst beeinflussen. Beispielsweise spielt der Geruchssinn eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Partnerwahl. Die Natur führt uns im wahrsten Sinne des Wortes an der Nase herum. Es ist verblüffend, wie wenig wir uns auf unsere Zurechnungsfähigkeit verlassen können. Wenn biochemische Prozesse im Körper die Führung übernehmen, ähneln wir Zombies.
Haben Sie ein Beispiel? Es kann passieren, dass man sich auf einem Zehn-Meter-Brett verliebt, weil man die Anspannung vor dem tiefen Fall mit Schmetterlingen im Bauch verwechselt. Auch wenn das Herzklopfen ursprünglich nicht von unserem Gegenüber ausgelöst wurde, erweist sich die Fehlinterpretation der eigenen Gemütslage möglicherweise als selbsterfüllende Prophezeiung. Wir haben in diesem Fall keine Schmetterlinge im Bauch, weil wir verliebt sind, sondern wir verlieben uns, weil wir einen flauen Magen haben.
Welches Sprichwort stimmt eigentlich: „Gegensätze ziehen sich an“? Oder „Gleich und Gleich gesellt sich gern“? Beide! Denn in manchen Dingen ist es gut, wenn man viele Gemeinsamkeiten hat, in anderen Aspekten tut es einer Beziehung besser, wenn man sich gegenseitig ergänzt. Wenn es um den ersten Eindruck geht, siegt auf jeden Fall das Motto „Gleich und Gleich“, denn spiegelt der andere unsere Körpersprache, entsteht unbewusst Sympathie, weil wir uns dem anderen ähnlich wähnen. In der Kennenlernphase wird auch der eigene „Marktwert“ hinsichtlich von Aspekten wie Attraktivität, Bildung, Einkommen, etc mit dem des potentiellen Partners verglichen. Das klingt erstmal empörend rational und fordert zum Widerspruch auf, doch diese Mechanismen arbeiten in unserem Unbewussten.
Und was die Gegensätze angeht: Im besten Fall ergänzen sich zwei Extreme, um gemeinsam die goldene Mitte zu finden. Im schlimmsten Fall treffen zwei komplementäre Neurosen aufeinander.
In welche Gefahren laufen die Neu-Glücklichen am ehesten? Das kann man nicht pauschalisieren. Welche gelungene oder fatale „Paarung“ zweier Individuen da zusammenkommt, ist ja höchst unterschiedlich. Das ist wie in der Chemie: Zwei für sich harmlose Stoffe können, wenn man sie miteinander kombiniert, eine explosive Mischung ergeben. Ob da Nitro und Glycerin aufeinandertreffen oder aber Natrium und Chlorid, das erkennen die Betroffenen meistens zu spät. Auch die äußeren Umstände sind so verschieden wie die Personen selbst. Es macht einen großen Unterschied, ob wir das Objekt unserer Begierde am Tresen kennenlernen oder beim Onlinedating, am Arbeitsplatz oder beim Verkupplungsversuch im Freundeskreis.
Was ist in Ihren Augen das Worst Case Scenario, was mögliche Paarungen angeht? Der Klassiker Chef und Sekretärin – oder heute auch Chefin und Angestellter – bietet per se viel Konfliktpotential – von der Auflösung der Trennung von Privatem und Beruflichem nach Feierabend bis zu gegenseitiger Ausnutzung und Machtmissbrauch. Auch wenn aus jahrelangen Freunden plötzlich Liebende werden, wird es kompliziert. Der größte Albtraum ist aber sicherlich, sich in den Partner der besten Freundin oder des besten Freundes zu verlieben und sich zu einer „Güterabwägung“ zwischen Freundschaft, Moral und dem Kribbeln im Bauch gezwungen zu fühlen.
Mal ganz ehrlich: Ist Ihr Buch nicht eher augenzwinkernd zu verstehen denn als seriöser Ratgeber? Einem so schönen Thema wie der Liebe sollte man sich natürlich mit positiven Gefühlen und Humor widmen. Nichts desto trotz sind die Gefahren, unsanft von Wolke Sieben zu plumpsen, ja tatsächlich gegeben. Vor solchen Fallstricken zu warnen ist mir ein aufrichtiges Anliegen, auch wenn das Buch bewusst unterhaltsam geschrieben ist.
Wie definieren Sie Liebe? Eine der kniffligsten Fragen der Welt, die Kunst und Wissenschaft seit Urzeiten auf Trab hält. Ich persönlich bin ein großer Fan der Pop-Philosophie.
Der bitte was? Der Weisheiten aus Pop und Rock-Musik. Manchmal kann man aus einem Dreiminuten-Song mehr lernen als aus einem 300-seitigen Ratgeber – diesem hier natürlich ausgenommen…
Zum Beispiel? Um es mit den unvergesslichen Worten von Kylie Minogue zu sagen: „La la la la la la la.“ Etwas Treffenderes wurde nie über die Liebe gesagt.
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