 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
              |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 | Stalker und manisch Liebende |
|
|
Die dunkle Seite der Liebe
|
Kennzeichen eines Wahns ist die krankhafte Fehlbeurteilung der Realität. Die unsterbliche literarische Figur Don Quichotte mit ihrem Kampf gegen Windmühlen ist ein eher sympathisches und bemitleidenswertes Beispiel für das Leben in einer eigenen Einpersonen-Welt. Auch die pubertäre Schwärmerei für Stars aus Kino und Musik ist ein harmloser „Wahn“, verwächst sich aber dankenswerterweise mit den Jahren. Der Liebeswahn im pathologischen Sinn hingegen verleitet auch reife Frauen und gestandene Mannsbilder zu krankhaftem Denken und Handeln und stellt eine ernste Gefahr für das Objekt ihrer Begierde dar. Liebeswahn ist eigentlich ein schlecht gewählter Begriff, denn mit Liebe hat diese Erotomanie rein gar nichts zu tun. Kann man bereits der normalen Verliebtheit die Tendenz zur unrealistischen Verklärung des Partners vorwerfen, ist Liebeswut wie ein Zerrbild der Liebe. Sie hat mehr mit einer Hetzjagd mit dem Ziel emotionaler Geiselnahme gemein.
Das zentrale Merkmal der Erotomanie ist die fixe Idee, vom Auslöser des Wahns geliebt zu werden. Getarnt unter Motiven idealisierter, romantischer Liebe und Seelenverwandtschaft verbergen sich oft pathologische Störungen wie eine Schizophrenie, paranoide Psychose oder Manie. So kann es durchaus vorkommen, dass das Objekt dieser verzerrten Liebe nicht die geringste Ahnung davon hat, was im Kopf des Liebeswahnsinnigen vorgeht, während dieser sich bereits mit einem Fuß in den Flitterwochen wähnt. Problematisch wird es erst, wenn der Erotomane den Kontakt zum Opfer sucht beziehungsweise einen bereits bestehenden realen Kontakt zwanghaft intensivieren will. Liebesbriefe, Telefonterror, Geschenke, heimliche Überwachung und Überraschungsbesuche stellen, so belastend sie auf Dauer wären, noch die harmlosere Ausprägung dieser Grenzüberschreitung dar. Ironischerweise glaubt der Täter dabei oft, sein Opfer durch sein Verhalten vor externen Gefahren zu retten, während ihm das Bewusstsein dafür fehlt, dass er sich einer emotionalen Vergewaltigung schuldig macht.
|
|
|
Ich liebe dich wie verrückt!
|
|
|
|
Dramatisch wird es, wenn der Manische versucht, Kontrolle über sein Opfer und dessen Gefühlswelt zu erzwingen. Beispielsweise durch Erpressung, Verleumdung und Nötigung. Vor allem bei männlichen Liebeswahnsinnigen kommt in diesem Stadium schnell eine aggressive, bedrohliche Komponente hinzu. Auflauern etwa, Hausfriedensbruch, Vandalismus oder gar Gewalt gegen das Opfer.
Die Grenzen von Liebeswahn zum neuerdings populären „Stalking“ sind fließend, zumal ein Stalker, entgegen dem durch die Medien vermittelten Bild, nicht auf Prominente als Opfer festgelegt ist. Im Gegenteil sind es oft Menschen aus dem persönlichen Umfeld, die zur Zielscheibe derartig pervertierter Zuneigung werden. Oft handelt es sich bei der Person, der nachgestellt wird, um einen Ex-Partner oder um jemanden, der zuvor den Beziehungswunsch des Täters zurückgewiesen hat. 81 Prozent der Stalker sind übrigens männlich. Um strafrechtliche Sanktionen zu ermöglichen, wurde im März 2007 der Straftatbestand der „Nachstellung“ im deutschen Strafgesetzbuch eingeführt, welcher mit bis zu drei Monaten Freiheitsstrafe geahndet wird.
Bevor Sie nun aber jede Bemerkung Ihres Schwarms auf die Goldwaage legen und sein Verhalten argwöhnisch auf Stalkingmerkmale abklopfen, sollten Sie wissen, dass solche pathologischen Fälle von übersteigertem Liebeswahn äußerst selten vorkommen. Freuen Sie sich also bitte weiterhin ganz furchtlos über Komplimente wie „Ich kann gar nicht genug von dir kriegen“.
Dieser Text entstand für das Buch Erste Hilfe für Frischverliebte, wurde aber in der finalen Version aus Platzgründen gestrichen.
|
|
Erinnerungen an die erste Liebe Verliebt in die Liebe - Beziehungssucht
|
|
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
      |
 |
 |
 |
|
|